Kultur & Einblicke

Warum wir auf Präsenz setzen

Warum wir auf Präsenz setzen

Die Frage, ob ein Unternehmen auf Büropräsenz setzt oder Remote Work ermöglicht, ist in den letzten Jahren zu einer der meistdiskutierten Fragen der Arbeitswelt geworden. Wir möchten teilen, wie wir bei Vogel und Project Arrakis über dieses Thema denken, warum wir uns klar für ein Office-First-Modell entschieden haben und wo wir gleichzeitig bewusst Spielräume lassen.

Die Remote-Debatte – und was in ihr untergeht

Die Argumente für Remote Work sind bekannt und teilweise überzeugend. Weniger Pendelzeit, mehr Flexibilität in der Lebensgestaltung, Zugang zu einem breiteren Talentpool, höhere Konzentrationsphasen durch weniger Unterbrechungen.

Gleichzeitig wird in der Debatte ein entscheidender Aspekt systematisch unterschätzt: Die Qualität menschlicher Beziehungen innerhalb eines Teams. Nicht als weiches, kulturelles Nice-to-have. Sondern als förderndes Element für Geschwindigkeit, Entscheidungsqualität und die Art von Zusammenarbeit, die außergewöhnliche Ergebnisse ermöglicht.

Viele Unternehmen, die Remote Work konsequent umsetzen, lösen das über Systeme. Umfangreiche Dokumentation, asynchrone Kommunikationsprotokolle, klar definierte Schnittstellen, Handbücher mit tausenden Seiten. Das ist beeindruckend und für verteilte Organisationen notwendig. Aber es adressiert nur eine Dimension von Unternehmenskultur.

Kultur als System versus Kultur als Beziehungsgeflecht

Handbücher und Dokumentation adressieren Kultur als System – also Regeln, Prozesse, dokumentierte Prinzipien, Entscheidungsframeworks und verschriftlichte Werte. Diese Dimension ist problemlos remote lösbar. Man kann Guidelines schreiben. Man kann Prozesse definieren. Man kann Werte formulieren und verschriftlichen.

Die andere Dimension von Kultur – ein Verständnis von Kultur als Beziehungsgeflecht – profitiert in unseren Augen enorm von der richtig gelebten persönlichen Begegnung.

Ein gesundes und vertrauensvolles Geflecht an Beziehungen ist notwendige Voraussetzung für psychologische Sicherheit, die Bereitschaft zu ehrlichem Feedback sowie das intuitive Verständnis für die Stärken und Schwächen des Gegenübers. Diese Dimension ist remote nur schwer in gleicher Qualität herstellbar. Sie entsteht durch geteilte Erfahrungen – und davon gibt es in Präsenz schlicht mehr.

Feedback braucht Vertrauen – Vertrauen braucht Nähe

Das wichtigste Präsenzargument ist für uns nicht Produktivität im engeren Sinne. Es ist Feedback.

Ungeschöntes und ehrliches Feedback ist eines der zentralen Prinzipien bei Project Arrakis. Wir glauben, dass Menschen nur dann wirklich wachsen, wenn sie regelmäßig direktes Feedback erhalten – und geben. Das ist anspruchsvoll. Es erfordert eine Beziehungsqualität, die über professionelle Höflichkeit hinausgeht.

Netflix hat seine 360-Grad-Feedback-Sessions bewusst als Präsenzveranstaltungen konzipiert. Nicht aus Tradition. Sondern weil die Erfahrung gezeigt hat, dass die Bereitschaft, wirklich ehrlich zu sein – und die Fähigkeit, ehrliches Feedback konstruktiv aufzunehmen – an physische Nähe gekoppelt ist. Man sieht die Reaktion des Gegenübers. Man spürt, ob eine Aussage verletzt oder verstanden wird. Man kann im selben Moment differenzieren, nachfragen, einordnen. Das geht über einen Bildschirm. Aber es geht nicht gleich gut.

Offenes Feedback profitiert – so unsere Überzeugung – von einem Umfeld, in dem Menschen sich physisch begegnen, in dem nonverbale Signale gelesen werden können und in dem nach einem schwierigen Gespräch ein gemeinsames Mittagessen möglich ist. Heißt: Feedback ist nicht nur ein intellektueller Austausch. Es ist ein sozialer Akt. Und soziale Akte brauchen soziale Nähe.

Geschwindigkeit entsteht durch Kontext

Wer in einem Büro arbeitet, absorbiert Kontext – permanent, beiläufig, ohne es zu merken. Man hört ein Telefonat des Kollegen. Man bekommt eine Diskussion am Nachbartisch mit. Man sieht, woran andere arbeiten. Diese beiläufige Informationsaufnahme ist in Remote-Umgebungen kaum replizierbar. Asynchrone Updates können das teilweise kompensieren. Aber sie erfordern aktives Schreiben und aktives Lesen – beides kostet Zeit und reduziert die Bandbreite auf das, was jemand für mitteilenswert hält. Die wertvollsten Informationen sind aber häufig die, die niemand bewusst teilt, weil sie niemandem erwähnenswert erscheinen.

Unser Organisationsprinzip – loosely coupled, highly aligned – setzt voraus, dass Teams eigenständig und schnell Entscheidungen treffen können. Eigenständige Entscheidungen erfordern Kontext. Und Kontext entsteht in Präsenz leichter, vollständiger als rein über digitale Tools.

Was Office-First bei uns heißt – und was nicht

Wir sind kein Unternehmen, das Präsenz als Kontrollmechanismus versteht. Es geht nicht darum, ob jemand um acht Uhr morgens am Schreibtisch sitzt. Es geht darum, dass die Grundhaltung eine des gemeinsamen Arbeitens vor Ort ist.

Heißt konkret:

/  Unsere Büros sind der primäre Arbeitsort. Die überwiegende Mehrheit der Arbeit findet dort statt – gemeinsam, synchron, in unmittelbarer Nähe zueinander.

/  Wer abends oder am Wochenende von zuhause aus weiterarbeitet, tut das selbstverständlich. Wir messen Ergebnisse, nicht Anwesenheitszeiten (wenngleich unsere Büros natürlich keine Öffnungszeiten haben).

/  Einzelne Tage im Home Office für Handwerkertermine & Co. sind kein Thema. Wir setzen auf erwachsene Menschen, die vernünftig kommunizieren und gewissenhaft entscheiden.

/  Was wir nicht anbieten, sind dauerhafte Remote-First-Arrangements. Wer grundsätzlich nicht vor Ort sein möchte, ist bei uns falsch. Nicht weil wir Remote Work für illegitim halten. Sondern weil es nicht zu dem passt, was wir aufbauen wollen.

Office ist nicht gleich Office

Eine Anmerkung, die uns wichtig ist: Präsenz um der Präsenz willen entfaltet keinen Mehrwert. Es gibt genug Unternehmen, die Büropräsenz leben, bei denen diese praktisch bedeutet, dass Menschen morgens kommen, sich in ihr Einzelbüro verkriechen, alleine Mittag machen und abends wieder gehen. Solche Unternehmen haben keinen der Vorteile einer Präsenzkultur – und alle Nachteile.

Präsenz entfaltet dann Wirkung, wenn gemeinsame Erfahrungen entstehen. Wenn man den Mittag gemeinsam verbringt. Wenn man abends zusammen den Tag ausklingen lässt. Wenn Begegnungen im Alltag selbstverständlich sind und geteilte Erlebnisse die Grundlage für Vertrauen schaffen. Es geht nicht um formelle Anwesenheitspflicht. Es geht um die Maximierung der Qualität der Begegnungen.

Deshalb haben gemeinsame Mahlzeiten – mittags und/oder abends – bei uns einen ebenso hohen wie die architektonische Gestaltung unseres Arbeitsumfeldes. Wir gestalten Räume und Strukturen, die Begegnung und Austausch ermöglichen und so auf unsere Zusammenarbeit und damit auf unsere Performance einzahlen. Ein Umfeld, das Begegnung fördert und zum Verweilen einlädt – das ist für uns der Kern einer gelebten Präsenzkultur.

Was das für Arrakis bedeutet

Wir bauen ein Unternehmen, das auf Ehrlichkeit, Talentdichte und Geschwindigkeit basiert. Jedes dieser Prinzipien profitiert davon, dass Menschen sich physisch begegnen. Gleichwohl erlaubt die Frage des besten Modells Raum für eine nuancierte Betrachtung. Entscheidend ist nicht, wo jemand sitzt. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen eine Umgebung schaffen kann, in der die besten Menschen ihre beste Arbeit machen wollen. Für unsere Herangehensweise ist dies ein Umfeld, das vom persönlichen Austausch geprägt ist. Deshalb erwarten wir, dass der Großteil der Arbeit im gemeinsamen Kontext getan wird. Nicht als Selbstzweck. Sondern weil wir überzeugt sind, dass die Dinge, die wir am meisten schätzen – Geschwindigkeit, Feedback, Vertrauen, Talentdichte – in physischer Nähe besser funktionieren.

WEITERE BEITRÄGE

Unser Bewerbungsprozess

Unser Bewerbungsprozess ist mehrstufig, transparent und durchgetaktet. Wer sich bewirbt, weiß vorher, was kommt. Keine versteckten Runden, keine Überraschungen, keine wochenlangen Wartezeiten zwischen den Schritten. Der gesamte Prozess dauert in der Regel unter 2,5 Wochen. Das ist möglich, weil wir alle Termine parallel planen: Nach dem ersten Go kommt eine einzige Nachricht mit allen Folgeterminen als Blocker. Sollte sich früher herausstellen, dass die Rolle nicht richtig zum Profil passt, werden die nachfolgenden Blocker einfach storniert.

Mehr lesen

Warum wir auf Präsenz setzen

Die Frage, ob ein Unternehmen auf Büropräsenz setzt oder Remote Work ermöglicht, ist in den letzten Jahren zu einer der meistdiskutierten Fragen der Arbeitswelt geworden. Wir möchten teilen, wie wir bei Vogel und Project Arrakis über dieses Thema denken, warum wir uns klar für ein Office-First-Modell entschieden haben und wo wir gleichzeitig bewusst Spielräume lassen.

Mehr lesen

Hierarchie bei Project Arrakis

Kaum ein Versprechen wird am Arbeitsmarkt inflationärer verwendet als „flache Hierarchien“. Und kaum ein Versprechen ist häufiger Quelle von Missverständnissen. Wir möchten keine falschen Erwartungen wecken und offen teilen, wie wir im Team organisiert sind, wie wir arbeiten und wie wir Entscheidungen treffen.

Mehr lesen

Wie wir über Leistung und Input denken

Wir sind maximal ergebnisorientiert und sehen in den nächsten Jahren eine einmalige Phase des Umbruchs und der Chancen. Um diese Chancen zu nutzenc bedarf es – so unsere Überzeugung – maximale Leistung, herausragenden Input uns – als Folge - außergewöhnliche Ergebnisse. Wir wir hierbei über Einsatz, Arbeitszeiten und Produktivität denken haben wir zumindest skizzenhaft im Folgenden dargestellt.

Mehr lesen

Vergütung bei Project Arrakis

Wir denken anders über Vergütung als viele andere Unternehmen – vor allem in der Steuerberatungsbranche. Für uns soll Vergütung in erster Linie eines sein: Ausdruck des Marktwertes der Leistung einer Person. Um diesen Anspruch möglichst umfassend und transparent gerecht zu werden, haben wir im folgenden unseren Zugang zu verschiedenen Vergütungsbestandteilen dargestellt.

Mehr lesen

Technologie als Überzeugung

Wir sind grundlegend optimistisch, was Technologie betrifft — und wir nutzen sie nicht als Werkzeug, sondern als integralen Bestandteil unserer Arbeit. Was das konkret bedeutet und warum wir diesen Anspruch für nicht verhandelbar halten, haben wir im Folgenden dargestellt.

Mehr lesen

ARRAKIS

WEITERE LINKS

© 2026 VOGEL GMBH BERATUNGSGESELLSCHAFT

ARRAKIS

WEITERE LINKS

© 2026 VOGEL GMBH BERATUNGSGESELLSCHAFT